Thursday, May 29, 2008, 06:24 PM
Er hasste es. Der Geruch von unzähligen Menschen die ihn einengten. Auch hier war kein durchkommen. Hastig bewegte sich der Kopf des kleinen untersetzten Mannes hin und her. Er musste durch. Irgendwie. Eingeklemmt zwischen den riechenden Leibern der sich drängelnden Menschen, trockener Sand unter seinen Sandalen, die heiße Sonne über ihm und er inmitten von Gestank und Schweiß. Doch er kam nicht voran. Kaum versuchte er ein wenig weiterzukommen schlossen sich die Rücken.
Dort, ein kleiner Spalt. Der kleine Mann flitzte los. Zu spät. Grinsend versperrten ihm zwei bärtige Männer den Weg, unüberwindbar wie eine Mauer.
Er war es gewohnt dass man Mauern baute wenn er kam. Schweiß rann von seiner Stirn. Die Leute wollten nichts mit ihm zu tun haben. Ein weiteres Mal drückte er seine Ellebogen in die Rücken der Menschen, die ihm die Sicht versperrten. Kein Vorankommen. Das war auch kein Wunder. Wer tat schon einem skrupellosen Steuereintreiber einen Gefallen. Zachäus atmete die heiße und beißend riechende Luft ein. Er kannte die meisten hier. Vielen hatte er unter Androhung von Gewalt das Letzte genommen. Er lies seinen Blick entlang der weißen Häuser gleiten, die sich hinter den großen Mauern Jerichos duckten. Hier war seine Heimat. Doch er war Heimatlos. Hier wurde er hineingeboren. Doch er war ein Ausgestoßener. Vom eigenen Volk gehasst.
Zachäus war Realist. Musste er auch sein. Ein Träumer hätte es nie zu einem solchen Vermögen gebracht. Man durfte nicht zimperlich sein in diesem Gewerbe. Aber der Preis war hoch. „Zu hoch“ dachte Zachäus, immer noch die Mauer aus Menschen vor sich im Blick.
So sehr hatte er gehofft einen Blick auf diesen Jesus werfen zu können, von dem er schon so viel gehört hatte. Manche vermuteten er sei der Sohn Gottes. Andere hielten ihn für einen religiösen Spinner. Zachäus wollte sich selbst ein Bild machen. Er musste diesen Jesus kennen lernen. Er hatte es satt gehasst zu werden. Er hatte es satt, die hasserfüllten Blicke zu spüren, die sich wie feurige Pfeile in seinen Rücken bohrten wenn er sich zum gehen wendete. Er hatte es satt. Nicht das es ihm schlecht gegangen wäre. Nach weltlichen Maßstäben ging es ihm gut. Der Job als Steuereinnehmer brachte gutes Geld herum. Doch in ihm war Leere. Ein schwarzes Loch, das sich immer tiefer in seine Seele fraß. Wie viele Menschen hatte er betrogen, belogen und abgezogt. Er wusste es selbst nicht mehr. Zu viele! Er sehnte sich nach Frieden für seine Seele. Nach Echtem angenommen sein. Er sehnte sich nach Gott. Doch bei Gott konnte kein Platz für ihn sein. Nicht für einen Sünder wie ihn. „Wenn Jesus wirklich Gottes Sohn ist, dann muss ich mit ihm sprechen“ dachte Zachäus und rannte los.
Schnell ließ er die Menge die sich um Jesus scharte hinter sich. Er wollte sich einen Platz suchen, von dem aus er ungestört einen Blick auf Jesus erhaschen konnte. Seine Sandalen klapperten hektisch auf der leicht abschüssigen Strasse runter zum Marktplatz. Eilig sah Zächaus sich um. „Wo würde Jesus vorbeikommen?“ Flinker als man es einem kleinen untersetzten Mann wie ihm zutrauen würde, schoss er um die Ecke. Er hielt an. Sah sich suchend um. Sein Herz schlug bis zu Hals. Er keuchte. „Wo würde Jesus entlanggehen?“ Schon hörte er hinter sich die Kinder lachen, die der Menge voranflitzen. Sie kamen in seine Richtung. „Jetzt schnell“ keuchte er zu sich selbst. Auf der anderen Seite des Marktplatzes stand ein Baum. Zachäus rannte darauf zu. Mitten über den Marktplatz. Es war ihm so egal was die Menschen jetzt über ihn dachten. Er hatte die freie Fläche überquert und stand nun unter einem dicht belaubten Maulbeerbaum. Völlig außer Atem lehnte er sich gegen ihn. „Jetzt nicht schlapp machen, ich muss da hoch“
Er klammerte sich an einem der niedrigen Äste fest. Die Muskeln seiner untrainierten Arme brannten. „Als Kind ging das doch leichter. Wie lange ist das her, seit ich zum letzten Mal auf Bäume kletterte, Freunde hatte und unbeschwert spielte? Zu Lange! Und was ist nun aus mir geworden?“ dachte Zachäus und zog sich mit aller Kraft an dem Ast hoch, während seine kurzen Beine strampelnd Halt suchten.
Währendessen ging Jesus die schmale abschüssige Strasse hinunter. Aufmerksam beantwortete er alle Fragen die die Menschen um ihn herum an ihn richteten. Er erzählte ihnen von Gott. Er berichtete ihnen wie sehr Gott sich nach ihnen sehnte. Die Menge hing an seinen Lippen und drängte sich um ihn herum wenn er von Gott wie von einem liebenden Vater sprach.
Zachäus hatte einen guten Platz gefunden. Von hier aus konnte er den gesamten Marktplatz überblicken. Der Sand unter ihm reflektierte die hellen Strahlen der Sonne. Der gesamte Platz war in einer erwartenden Ruhe versunken. Keine Menschenseele kümmerte sich um Zachäus der unbemerkt oben in seinem Versteck saß. Sie waren alle bei Jesus. Zachäus wollte durchatmen, doch sein Herz schlug ich immer noch bis zum Hals. Jetzt bogen sie um die Ecke. Wühlten den Sand auf, erfüllten den Platz mit leben. Zachäus platzte fast. Es kostete ihn alle Mühe oben im Baum still sitzen zu bleiben. „Jesus muss unter mir vorbeikommen“ hoffte er inbrünstig.
Immer näher kamen sie. „Er kommt in meine Richtung!“ Jetzt konnte Zachäus Jesus erkennen. Fast schon erschrocken nahm er wahr, dass dieser direkt auf seinen Baum zusteuerte.
Es waren nur noch Meter die Zachäus nun von Jesus trennten. Konzentriert versuchte er zu lauschen. Er wollte kein Wort verpassen. Jetzt blieb Jesus stehen und auch die Masse um ihn kam zum Stillstand. Er hob die Hand. Es herrschte Ruhe. Alle Augen waren auf Jesus gerichtet. Zachäus hörte sein eigenes Herz schlagen. Wieder lag der gesamte Platz in völliger Stille vor ihm. Und unter ihm - Jesus. Zachäus spürte die Spannung die in der Luft hing. Gebannt starrte er nach unten.
„Hey Zachäus, jetzt komm mal runter da! Ich würd´ mich heute gern bei dir zum Essen einladen!“
Zachäus erschrak. Seine Gedanken überschlugen sich, purzelten umher und....... „das gibt’s doch nicht. Ich? Meint der mich?“ Es waren nur Sekunden in denen es ihm wie Blitze durch Mark und Bein ging. „Mich meint er, dieser Jesus, mich schlechten Kerl? -Bei Dir- hat er gesagt. Zu mir will er kommen? Er kann mich doch gar nicht kennen. Würde er mich kennen, hätte er mich nicht angesprochen. Bei meinem Ruf.“
Zachäus kletterte, mehr rutschend als festen Halt findend, was das Zeug hielt, eilig vom Baum herunter.
Jesus stand direkt vor ihm. Zachäus fühlte sich von einem liebenden Augenpaar angesehen. Das kannte er nicht. Sprachlosigkeit überfiel ihn. Er, Zachäus stand auf Augenhöhe vor Jesus. „Ja, äh ja, komm lass uns gehen“ stotterte er Jesus, der sich so frei bei ihm eingeladen hatte, an. Er ging los, neben Jesus. Er kam sich keinen Meter verachtet mehr vor. Er war Angesehen. Angesehen von Jesus. Jesus hatte ihn angesehen. Mit weichen Knien vor Aufregung, machten sie sich auf den Weg. Nach Hause.
Er hörte wie um ihn herum gemurrt wurde. Unzufrieden tuschelte die Menge: „Bei so einem Dreckskerl will Jesus zu Gast sein? Jeder merkt doch, das der nicht so lebt wie Gott das will!“
All die Scheiße die er verzapft hatte kam in Zachäus hoch. Die Menschen die er ausgenommen, ausgeplündert und fertig gemacht hatte. Seine Lügen und der Betrug, die in seid er denken konnte begleiteten.
Ruckartig drehte er sich um und stellte sich direkt vor Jesus. „Jesus, ich werde sofort die Hälfte meines Vermögens den Obdachlosen und Kaputten geben. Und wenn ich jemanden in Steuerangelegenheiten übers Ohr gehauen habe, dann gebe ich es ihm in vierfacher Höhe wieder.“ Erleichterung überkam Zachäus. Jetzt war es raus.
Jesus lächelte ihn an: „Heute ist der wichtigste Tag für dich und deine Familie. Und weißt du auch warum? Weil Gott dich heute in seine Familie aufgenommen hat!“
„Weißt du Zachäus, ich bin gekommen um die Menschen wieder zurück zu Gott zu holen, die aufgegeben wurden, oder die sich verirrt haben.“






