Gott ist treu! 
Wednesday, January 23, 2008, 07:36 PM
Eine Erzählung über Daniel 1, als Predigt gehalten am 23.02.08 in Ewersbach, darum in "Spreche" geschrieben!

Szene 1//Eroberung und Deportation
Verse 1-2

Der Israelit Mischael war Diener am Hofe des Königs Nebukadnezar. Er war ein weiser und angesehener Mann. Selbst der große König Nebukadnezar legte Wert auf seinen Rat. Gemeinsam mit Daniel, Hananja, und Asarja lebte er im babylonischen Exil. Obwohl er hier in der Fremde den Namen Meschach erhielt, vergaß er nie seinen eigentlichen Namen. Den Namen, den seine Eltern ihm gaben, als er damals in Jerusalem geboren wurde: Mischael, wer ist wie Gott!

Es war eine gottlose Zeit damals in Jerusalem. Die Könige kümmerten sich nicht um Gott und viele kamen zu der Ansicht, Gott kümmere sich auch nicht mehr um Juda. So dachte auch Mischael zu dieser Zeit. Das Volk lebte im Krieg. Fremde Machthaber kamen und gingen. Die hohen Steuern erdrückten die Menschen. Es war ein Leben in ständiger Angst. So ging es dem ganzen Volk. Die Armen und benachteiligten der Gesellschaft hatte es am härtesten getroffen.

Mischael war mittlerweile ein junger Mann und König Jojakim bereits seit drei Jahren an der Macht, als Nebukadnezar der König von Babel Jerusalem belagerte.
Mischael setzte all sein Vertrauen auf den Herrn. Gott würde es nicht zulassen, dass dieser König aus der Fremde Jerusalem eroberte.
Doch es sollte alles anders kommen. König Nebukadnezar eroberte Jerusalem. Er zerstörte die Stadt und den Tempel. Mischael überlebte. Gemeinsam mit dem König, und einem großen Teil der Bevölkerung wurde er gefangen genommen und nach Babylon gebracht.

Mischaels Heimat war zerstört, der Staat Juda hatte ein katastrophales Ende gefunden, viele seiner Freunde waren im Krieg ums Leben gekommen. Er selbst befand sich nun auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft, als Gefangener eines fremden Königs. Auf der langen Reise nach Babylon schrie er immer wieder zu Gott: „Herr, warum hast du uns in die Hand dieses fremden Königs gegeben? Herr, hast du uns verlassen? Mischael konnte Gott nicht mehr verstehen. War Gott seinem Volk untreu geworden? Hatte Gott sie einfach vergessen? Waren sie sich am Ende selbst überlassen?

Die Reise zog sich über Monate. Unter den Deportierten herrschte Verzweiflung. Mischael und seine Volksgenossen konnten nicht verstehen, warum Gott das zuließ. Manche sangen Klagelieder andere schimpften in ihrer Verzweiflung auf Gott. „Gott hat uns im Stich gelassen“ hörte Mischael sie murren. Es war nicht leicht weiter auf Gott zu vertrauen. Sie wanderten entlang des Mittelmeeres einer ungewissen Zukunft entgegen. Es war für Mischael schwer sich vorzustellen, Gott würde sie auf dieser Reise begleiten und bei ihnen sein. Die Hoffnung hatte Mischael aufgegeben. Zurückblicken konnte er nicht. Seine Heimat war zerstört. Nach vorne zu blicken traute er sich nicht. Was würde ihn im fernen Babylon erwarten?

Szene 2//Die Stadt Babylon und die Berufung an den Königshof
Verse 3-7
Mischael hatte schon viel von Babylon gehört. Auf der Reise hatten sich die Gespräche immer wieder um das Ziel ihrer Reise gedreht. Doch was er sah, als er nach Monaten der entbehrlichen Reise durch die Tore Babylons schritt, lässt sich kaum beschreiben. Die Stadtmauern waren gewaltig. Mit einem Meer aus bunten Fahnen, Trompetenschall und lautem Gesang wurden die siegreichen Krieger empfangen. Überall wimmelte es von Menschen. Kinder rannten zwischen den Beinen der Erwachsenen und Frauen winkten ihren heimkehrenden Männern zu. Mischael konnte überall bunte reich verzierte Götterstatuen erblicken. Vorbei ging der bunte Zug an den Palästen Babylons. In der Ferne konnte Mischael die berühmten hängenden Gärten erblicken. Unglaublich große Tempel und Türme passierten sie. Mischael war überwältigt.
Mischael und die vielen anderen Israeliten, die die Reise überstanden hatten, bekamen Häuser in Babylon zugewiesen. Sie durften sich frei bewegen und nahmen am öffentlichen Leben teil.
Doch all das konnte sie nicht darüber hinwegtäuschen, das sie unfreiwillig in diesem fremden Land leben mussten.
Es war keiner unter ihnen der nicht weinte wenn er an Jerusalem dachte.
So gerne hätte Mischael die alten Lieder gehört.
Doch es war keiner unter ihnen der lachte oder gar sang. Oft saß Mischael am Euphrat und sprach mit Gott: „Herr, hast du uns verlassen? Bitte Herr, vergiss deine Kinder nicht!“ Mischael war frustriert. Gott erschien ihm unendlich weit weg.

Eines Tage wurde Mischael mit einigen anderen Israeliten zum Palast des Königs gerufen. Angeführt vom obersten Kämmerer des Königs, durchschritten sie die imposanten Eingangstore des großen eckigen Palastes. Der Lärm und die Hitze des Tages wichen einer angenehmen Kühle. Nur noch gedämpft drangen die Geräusche der Außenwelt hier hinein. Im Innenhof versammelten sie sich, das klappern vieler Sandalen erfüllte die Luft. Mischael fühlte sich unsicher. Die Reliefs der fremden Götter an den Wänden beunruhigten ihn. Was hatte man mit ihnen vor? Bevor Mischael seine Blicke weiter durch den Innenhof schweifen lassen konnte, erhob der oberste Kämmerer seine laute, klare Stimme: „König Nebukadnezar selbst hat mich beauftragt, euch junge Leute auszubilden. Ihr alle seid von königlicher Herkunft, ohne Gebrechen und von gutem Aussehen. Ihr gehört zu den Klügsten, Begabtesten und Fähigsten unter den Israeliten. Darum werde ich euch drei Jahre lang ausbilden. Ihr werdet unsere Sprache und unsere Schrift lernen und am Hof des Königs leben. Habt ihr das alles erlernt, werdet ihr dem König dienen.“

Der König hatte alles bis ins kleinste Detail durchdacht. Er hatte sogar vorgeschrieben von welchen Speisen er und die anderen Israeliten sich ernähren sollten. Er forderte unbedingten Gehorsam. Doch Mischael hatte Angst. Auch sein Gott hatte sehr genau vorschrieben von welchen Speisen er sich ernähren dürfe und von welche nicht. Hatte sein Gott es nicht verboten Unreines zu essen? Die Speisen vom Tisch des Königs sahen lecker aus, doch für ihn als Israelit war ihr Genuss verboten.

Szene 3//Daniel vertraut auf Gott//Änderung des Speiseplanes
Verse 8-14
Mischaels Sandalen klapperten auf den großen Fließen des Innenhofes, und die Wände warfen den Schall zurück. Er war auf der Suche nach anderen jungen Männern aus Juda. In einer Nische, auf dem Boden sitzend, fand er Daniel, Hananja und Asarja. Mischael war tief beeindruckt von Daniel. Daniel sprach ihm aus dem Herzen, als dieser mit vorsichtiger aber bestimmter Stimme sprach: „ Wir sind zwar in der Fremde, doch wir dürfen Gott vertrauen. Wir fühlen und zwar weit weg von Gott, doch wir wollen ihm treu bleiben. Darum werde ich den Kämmerer darum bitten, dass wir uns nicht an den Speisen des Königs unrein machen müssen.“
Gespannt warteten Mischael und die anderen auf das Ergebnis der Unterredung zwischen Daniel und dem obersten Kämmerer. Gott segnete das Gespräch und ließ Daniel Wohlwollen und Nachsicht finden. Als Daniel zurückkam und sich in der Nische niederließ berichtete er: „Ich habe mit dem obersten Kämmerer gesprochen. Er hat jedoch Angst vor dem König, da dieser fest vorgeschrieben hat, was wir essen sollen und er fürchtet um seinen Kopf, sollten wir schlechter aussehen als die anderen.“
Dann habe ich jedoch dem Aufseher einen Versuch vorgeschlagen. 10 Tage lang dürfen wir uns nur von Gemüse und Wasser ernähren. Wir brauchen uns nicht mit den Speisen vom Tisch des Königs zu verunreinigen. Danach wird der Aufseher entscheiden was mit uns Geschehen soll.“

Szene 4// Gott zeigt sich als treu
Verse 15-17
Als die 10 Tage um waren, kam der Aufseher um sie zu begutachten. Er konnte sein Erstaunen kaum zurückhalten. Diese jungen Männer aus Juda, die sich nur von Wasser und Gemüse ernährt hatten, sahen besser aus als alle anderen. Er selbst hatte die Speisen der anderen Männer gesehen. Sie bekamen nur das Beste zu essen: Fleisch, Brot und Wein im Überfluss. Er konnte es nicht leugnen. Die vier Judäer waren schöner und kräftiger als all die anderen jungen Männer, die von der Speise des Königs aßen. Doch nicht nur das geschah. Gott schenkte Mischael, Daniel, Hananja und Asarja Einsicht und Verstand für jede Art von Schrift und Weisheit. Vor allem Daniel verstand sich sehr gut auf Visionen und auf Träume jeglicher Art.

Der Aufseher war beeindruckt. Diese vier jungen Männer waren ihrem Gott treu geblieben. Was ihn noch mehr beeindruckte war, das auch Gott diesen vier jungen Männern treu geblieben war und dieses Wunder vollbracht hatte. Natürlich durften Mischael, Daniel, Hananja und Asarja sich weiter so ernähren, wie Gott es ihnen geboten hatte.

Mischael war von einem tiefen Frieden erfüllt. Er hatte erfahren das Gott treu ist. Er hatte erfahren, dass Gott auch dann da ist, wenn man in der Fremde lebt, wenn man einsam ist oder es einem schlecht geht.
Mischael wusste nun: Auch wenn ich Gott nicht immer spüre, auch wenn ich meine, Gott sei weit weg, darf ich ihm vertrauen. Gott belohnt Treue reich. Ich kann mein Leben in Gottes Hand legen und ihm vertrauen, das er es gut mit mir meint. Gott lässt mich nie im Stich. Gott beschenkt mich für meine Treue am Ende sogar reich und überfließend.
Wenn Mischael nun Abends am Ufer des Euphrat saß, dankte er Gott indem er betete: „Danke Vater das du uns nicht verlassen hast. Danke dass du deine Kinder nicht vergisst. Vater ich danke Dir, das du Treu bist. Vater ich danke dir das ich mein Leben ganz in deine Hand legen kann und darauf vertrauen darf, das du es gut mit mir meinst.“


Szene 5//Im Dienst des Königs
Verse 18-21
Als die Ausbildung von Mischael nach drei Jahren beendet war, wurden er und alle anderen zu König Nebukadnezar gebracht. Die Aufregung war groß, als sie den prunkvollen Thronsaal Nebukadnezars betraten. Das Getuschel verstummte. Alles schwieg, als König Nebukadnezar selbst mit ihnen redete. Er prüfte sie. Seinen wachsamen Ohren und Augen entging nicht der geringste Makel. Er sprach mit jedem Einzelnen und stellte sie aufs Genaueste auf die Probe. Mischael, Daniel, Hananja und Asarja waren bei weitem die Klügsten und Verständigsten unter allen Auszubildenden. So reich hatte Gott sie gesegnet, das sie als 10x klüger und verständiger empfunden wurden als alle Zeichendeuter und Weisen im ganzen Reich des Königs Nebukadnezar.

Mischael diente noch lange an König Nebukadnezars Hof. Er war schon lange kein junger Mann mehr. Nach der Deportation aus seiner Heimat Jerusalem hatte er trotz der fremden Umgebung in Gott Halt gefunden. Trotz der Einsamkeit war er sich gewiss: Gott ist treu. Ich kann Gott vertrauen. Gott ist meine Hilfe. Wer ist wie Gott?