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No blog posts at that month... But before: Novedades de Cochabamba
Mon, 30 Aug 2010 01:53  | | Schlechtes Wetter! - Endlich! |
|  | | Verbrannte Erde |
|  | | Zubereitung von Llagua |
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Lieber Leser, es gibt folgende Neuigkeiten aus Cochabamba, sehr subjektiv ausgewählt:
Heute hat es zum ersten Mal seit einem halben Jahr geregnet. Im Mai gab es schon mal einen Tag mit zeitweiser Bewölkung, heute gab es tatsächlich Tropfen, leider nicht viele. Es wird Zeit, dass die Trockenzeit vorbeigeht und die Felder grünen, auch wenn "seine tägliche Sonne heute" mir gut tut.
Evo möchte Gerüchten zufolge alle ausländischen NGOs verbieten, um Bolivien unabhängiger zu machen. Ich hoffe, das führe nicht nur zu verminderter sozialer, edukativer und nutrativer Versorgung der Bevölkerung. Viele halten davon nichts.
C. kann jetzt Llagua zubereiten, die bolivianisch-andinische Soße zu bereiten - auf dem traditionellen Batán, das ist eine Steinplatte, und mit dem cria, dem dazugehörenden Mahlstein.
Während der Trockenzeit gab es viele Brände im Parque Tunari, laut Zeitung wurden 100-150 Hektor Wald zerstört. Vor allem wegen seines Autoverkehrs gilt Cochabamba als meistverschmutzeste Stadt Boliviens. Eines der spannendesten IT- und Stadtplanungsprojekte der Welt dürfte eine Neuordnung der öffentlichen Verkehrslinien sein, da der sich täglich im Stau widerfindet.
Der Urlaub nähert sich genau wie der Sommer, und die Nächte werden wärmer (die morgendliche Dusche im Garten ist allerdings immer noch kalt).
Centro Social de los Franciscanos, Cochabamba
Fri, 20 Aug 2010 20:10  | | Eingangsbereich der Station |
|  | | Wandgemälde an der Außenmauer des Zentrums |
|  | | Freund |
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Mitten im Herzen Cochabambas liegt das Sozialhaus der Franziskaner, in dem Ärzte arme Menschen kostenlos behandeln und es eine Essensausgabe, Versammlungsräume und offene Ohre gibt. Außerdem wohnen im Obergeschoss des schönen Baus mit hohen Zimmern Kinder, deren Körper verbrannt worden ist und die hier wohnen können, bis sie im Krakenhaus ein weiteres mal operiert werden können.
Unsere internen Workshops finden in diesem Centrum statt, so dass ich dort öfter ein und aus ging. Und da es sogar WLAN gibt, wurde ich zum Stammgast und habe von hier aus für die Website meiner Fundación gearbeitet. Umso lustiger war es, dass ich irgendwann auch mein Visum als katholischer Missionar bekommen hab - dank der Franziskaner. So lernte ich in den letzten Monaten immer mehr der Angestellten und Kinder kennen, und mich begeisterte immer mehr die Arbeit, die dort gemacht wird, und die Liebe und Herzlichkeit, mit der dort jeder Gast empfangen wird.
Gestern hatte mich die "Empfangsschwester" gebeten, einige Kinder im Krankenhaus zu besuchen, die gerade von deutschen Spezialisten operiert werden. In der Mittagspause war ich dort, fand allerdings kein Kind vor, das ich schon kannte. Da zwei Kinder allerdings alleine waren, wurde ich zu ihnen geschickt, um die mal zu unterhalten. Mein Kollege Niko hatte mir vorher von Krankenhausclowns erzählt und so versuchte ich, nicht auf ihr Elend einzugehen, sondern ihnen mit einem vor Ort "geklauten" und aufgeblasenen Gummihandschuh und einem geliehenen Teddybär die Kinder kurz von Schmerz und Langweile abzulenken. Ein Kind konnte sich leider nicht beruhigen - wenn die mamá fehlt, kann man wohl wenig machen. Ich vermisse meine ja auch seit acht Monaten. Zum Schluß wurde ich artig mit Winken verabschiedet und gefragt, wann ich wieder komme. Gerne.
Nachmittags war ich noch mal im Centro Social, um geflickte Wäsche abzuholen. Auf ein mal befand ich mich rollstuhltragend im Obergeschoss und war mitten zwischen den 10-14-jährigen Pubertierenden, die Wände voller selbstgemachter Bilder, die Blicke voller Neugier und die Fragen voller Durst - was heißt ¡estoy libre! auf Deutsch?, wie sagt man ¡hola!? Kurz danach konnte ich im Eingang meine fünf Vokabeln Quechua üben, als eine ältere Dame vom Land (cholita) zum Zahnarzt wollte. Ein kleiner Junge, die hier wohnt, musste Quechua und Spanisch übersetzen, damit sie verstanden wurde.
Es gibt gute Orte hier, und ich das Centro kann ich nur als unterstützenswert empfehlen. Fast nach jedem Besuch war ich am Kämpfen mit meinen Tränen und musste erst mal das Gesehene verdauen; aber jedes mal war ich auch überrascht von Engagement und Herz der Angestellten und der Zuneigung und Freude der Kinder.
Berge, Kreativität, Ausgehen, Essen
Mon, 09 Aug 2010 00:19  | | Wanderer: Lamas |
|  | | Essen: Cicharron |
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Weil meine Tante (und die Brückenbutze auch) sagt, dass ich nicht nur über Arbeit bloggen muss, versuch ich das mal zu schreiben, was in meinem Leben hier sonst noch anders ist als in Deutschland.
BERGE. Jeden Monat bin ich circa ein mal in den Bergen. Die gibt's hier zuhauf an jeder Ecke Cochabambas, und so überlegen Bastian und manchmal auch Mihi und Dirk uns immer wieder eine neue Wanderroute. Letzten Sonntag waren wir im Gestrüpp unterwegs, von 2.800m bis auf 3.700m. Es tat so gut, der Wind blies, das Gehirn wurde frei, und in den Bergen ließ es sich wunderbar abschalten. Und wenn man zu viel redet und noch zu hoch hinaus will, zeigt zur Not noch der Mond den Heimweg. Meine schwarze Jacke mit rotem Streifen, unverzichtbarer Begleiter der letzten beiden Jahre, hat sich leider im Gestrüpp verabschiedet.
KREATIVITÄT. Da ich zur Zeit kein IT-Consulting mache, sondern als Sozialarbeiter, Fussballspieler, Fundraiser oder auch mal Bauarbeiter arbeite, kann ich hier teilweise schlechter abschalten (Bleibt Br. wohl zuhause?), manchmal auch besser - und dann hab ich sogar mehr Muse und Zeit. Mareiles Origamimann-Comic-Projekt sind meine Texte, ich schreibe also Lieder. Tut gut.
AUSGEHN. Ich geh zu wenig aus, ist aber nicht schlimm.
ESSEN. Die "Cochabambinos" sind sehr stolz auf ihr Essen, angeblich das beste Boliviens. Mir gefällt das Essen auch. Da mir aber grundsätzlich fast alles schmeckt (sogar die Unikantine hat mich begeistert), heisst das noch nichts. Zwei Sachen machen das Essen zusätzlich spannend: Yapa und Amöben. Yapa heisst auf Quechua "Nachschlag" und den gibt es überall, wo die einfachen Leute speisen und trinken. Insofern ist es zur schönen Gewohnheit geworden, nach yapa zu fragen, auch für den Spanischunterricht und im Internetcafé. Dort wo die einfachen Leute sind, ist das Essen nur leider nicht so hygienisch und deshalb muss man mit Amöben rechnen. Die haben mich schon öfter umgehauen, aber ich glaube immer noch, dass ich lieber das die echte und typische bolivianische Küche kennenlerne, zur Not mit Amöben. Zur Zeit versuche ich herauszufinden, wo es yapa aber keine Amöben gibt. Mal schaun, ob sich das was findet.
Jose, Teil 4: Familiengefühle
Sat, 07 Aug 2010 14:42
Jose entwickelt sich gerade gut weiter. Wir treffen uns immer noch wöchentlich zum Mittagessen und kommen ganz gut ins Reden. Vor einigen Wochen hat er mich in meine Gemeinde begleitet, danach essen wir immer zusammen mittag. Einem 1-jährigen Mädchen fiel dabei auf ein mal die pinke Haarspange aus dem Haar; sie hob die Spange vom Boden auf und
reichte sie wortlos an Jose. Der nahm sie, machte ihr Haar wieder zum Zopf, und schon hatte das Mädchen ihre Spange zurück im Haar.
Ich hab keine Ahnung, ob Jose das zum ersten mal seit Jahren machen musste - für mich war es ein bewegender Moment, weil Jose, der im Februar noch in der Straße gewohnt hat, sich langsam wieder in die Gesellschaft integriert und in der Gemeinde auch so etwas wie Familie erleben kann.
Schnee!
Mon, 19 Jul 2010 03:39
Ich weiß, ich sollte mehr schreiben, und es gibt auch viel zu schreiben.
Aber manchmal fällt es schwer, das Geschehene oder Gedachte in Worte zu fassen. Deshalb vorerst einfach ein Foto von der seit gestern schneebedeckten Bergkette Cordillera Tunari, die Cochabamba umgibt.
Jose, Teil 3: El proyecto de vida continua / Lebenserwartung: 30 Jahre
Wed, 09 Jun 2010 21:10  | | Abschiedsaltar mit Clefa (Klebstoff), Chicha (Bier), Obst und Kerzen |
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Hier eine kleine Fortsetzung des Straßenkindes "Jose", über dessen Weg ich euch auf dem Laufenden halten wollte, um euch meine Arbeit näher zu bringen (die allerdings außer Sozialarbeit auch mit Handwerk, Homepage und Häusersuche aufwartet).
Die letzten Wochen haben wir uns öfter getroffen und mich freute, dass Jose tatsächlich seinen Weg geht; nachts setzt er seine Arbeit als Wächter fort, morgens putzt er Scheiben und nachmittags surft er im Internetcafé. Da die Arbeit als Wächter recht gut bezahlt ist (gegen 100 Euro monatlich zum alten 10:1-Kurs), kann er jetzt weiter planen und das beginnen, was mein Chef "proyecto de vida" nennt. Im Juli wird er an einem Institut eine dreijährige Ausbildung zum Gerichtsdetektiv (investigador forense) beginnen; da wird er vormittags die Schulbank drücken, nachmittags lernen (das hoff ich doch mal!) und nachts weiter als Wächter arbeiten.
Heute hat er außerdem noch einiges aus seiner Biografie erzählt, z.B. dass er in seiner Zeit auf der Straße mit der Klebstoffdroge clefa gedealt hat. Sieht gut aus, wie Jose sich weiterentwickelt.
PS: Die Lebenserwartung auf der Straße liegt bei circa 30 Jahren. Letzte Wochen haben wir einen Straßenkind beerdigt, dass mit einer Überdosis Alkohol sein Leben beendet hat. Die Beerdigungsfeier direkt neben den Matratzen der anderen Straßenkinder unter einer Brücke Cochabambas war bedrückend und eindrücklich, ein Abschied mit Tränen und gleichzeitig dem geteilten Wissen, dass dies leider der Weg der Straßenkinder ist, die sich für ein Leben auf der Straße entscheiden.
¿De que parte de Bolivia es usted?
Tue, 01 Jun 2010 06:15 Wenn man in einem Land heimisch wird, gibt es diese wichtigen Momente, in denen man merkt, dass es voran geht, und man sich immer mehr in die Kultur integriert. Vermutlich wechseln sie sich mit denen Erlebnissen ab, in denen man spürt, dass man komplett anders ist.
Heute gab's gleich zwei gute Momente: Morgens um 7 wurde ich beim Brötchenkauf vom Kioskmann gefragt, aus welchem Teil Boliviens ich denn käme. AUS WELCHEM TEIL BOLIVIENS? Aus Deutschland. Während ich zu Jahresanfang noich schnell und einfach als Deutscher entlarvt wurde, hat es der verschwindende Akzent den Bolivianern erschwert, meine Herkunft zu erraten und so konnte ich mich die letzten Monate über "Frankreich?", "Italien?" und schließlich "Brasilien?" langsam an Südamerika herantasten. Und heute morgen passierte es also und ich wurde als Bolivianer erkannt. Bestens. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wo in Bolivien so Hellhäutige wie ich rumlaufen und dann geht die Kultur-Maskerade weiter.
Ja, und der zweite Moment war ein formaler: Ich hab seit heute ein Jahresvisa. Das ist sehr entspannend.
Zwischen Cordillera Real und Chapare ist es kalt
Fri, 28 May 2010 01:39  | Bandfoto fotografiert von Basti |
|  | Abstieg |
|  | Bergsee fotografiert von Dirk |
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Letztes Wochenenende waren wir mal wieder wandern. Ziel war der letzte hohe Berg der Cordillera Real (die Anden-Bergkette um Cochabamba) vor dem Chapare, einer Art Hochlandurwald im Osten Boliviens. Eigentlich wollten wir den Berg in einer Zweitagestour erklimmen, um von oben auf das grüne Chapare herunterzublicken, aber Kälte, Wind und Wolken haben die Aktion vereitelt.
Wenigstens sind schöne Fotos bei rumgekommen.
Zehnter Bolivianisch-Deutscher Abend
Fri, 14 May 2010 06:24  | | Große Ladung ENERGIE |
|  | | Große Ladung ESSEN (heute war ich eingeladen) |
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Hatte ich von meinen Nachbarskindern erzählt? Mittlerweile sind es meine Ex-Nachbarn, die ich jetzt nur noch unregelmäßig so alle eins bis zwei Wochen besuche, um mit ihnen zu spielen und ab und zu auch noch mal essen, wie anfangs Frikadellen und Pike Machu (wobei ersteres angeblich immer noch ein Lieblingsessen von Litzi ist). Die Besuche bei meinen Nachbarn sind immer aufregend und spannend, weil völlig unplanbar ist, was passieren wird und wie die Kindern drauf sind. Mal haben wir uns zum Kochen verabredet und irgendwie funktioniert alles gut und alle werden satt; ein ander mal fehlen auf ein mal alle Zutaten. Manchmal haben die Kinder ihre Hausaufgaben nicht gemacht, und es gibt richtig Ärger mit den Eltern, und ich muss miterziehen; dann sind wieder alle LIEB und BRAV und HAUEN SICH NICHT und ich bin einfach nur glücklich für eins, zwei Stunden, während wir Fangen spielen oder Stadt-Land-Fluß. Ein ander mal freuen sich die wenigen Eltern, die es gibt, dass ich da bin und sind dankbar; dann hab ich das Gefühl, irgendwas falsch gemacht zu haben und sie lassen sich nicht blicken. Oft kehre ich ausgelaugt und verwirrt vom bolvianisch-deutschen Abend zurück, aber immer hat sich's gelohnt und es bleibt guter Gedankendünger im Kopf zurück.
Jose, Teil 2: Handyfotos und mehr Informationen
Fri, 14 May 2010 06:19 Ich hatte ja versprochen, von "Jose" weiter zu erzählen, der vor einiger Zeit beschlossen hatte, die Straße zu verlassen (Teil 1). Der Typ ist ganz schön spannend - und ganz schön herausfordernd. Ihn hab ich seit Ende April öfter getroffen, entweder direkt an seinem Arbeitsplatz (das ist die Kreuzung, an dem er zur Zeit Scheiben wischt) oder zufällig in der Stadt. Wenn wir uns treffen, reden wir meist gar nicht so intensiv - dafür schickt er mir danach aus einem Internetcafé E-Mails (ja!), die mich umhauen, weil er mir aus seiner Biografie verrät, dass er beide Eltern verloren hat und ist deshalb auf der Straße gelandet ist, und mir Handyfotos (ja!) von dem Ort schickt, an dem er sich zur Zeit nachts aufhält. Dieser Ort ist ein in Cochabamba bekannter Ausflugsort, wo er nachts ein Geschäft bewacht, das tagsüber von Touristen besucht wird. Ja, und dort schläft er auch. Zur Zeit sucht er ein Quartier, wobei das gerade nicht so dringend ist, da er ja in dem Geschäft, das er bewacht, auch schlafen kann.
Anfangs fragte ich ihn mal, wie es ihm gehe, und er meinte, ich solle nicht fragen, weil es ihm immer gut gehe, das sei eine Frage der Einstellung. Heute, ein paar Wochen später, erzählte er mir, der Welt müde zu sein, weil es so viele Ungerechtigkeiten gäbe. Gleichzeitig diskutieren wir immer wieder über Gott und die Welt und es tut weh zu sehen, dass dieser schlaue Mensch es sich so schwer tut voranzukommen. Wobei ich auch irgendwie glaube, dass er es schafft.
Dranbleiben!
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