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Wer Taxi fährt, kommt an
Sun, 07 Mar 2010 21:30


Bisher hatte ich mich über meine Urlaubsreise von Lima nach Cochabamba Anfang des Jahres ausgeschwiegen, weil die Eindrücke hier viel stärker sind und ich deshalb erst mal darüber berichtet habe. Da Miguel mich aber indirekt gebeten hat, mich "zu überwinden und eine Anekdote zu posten", will ich mich nicht lumpen lassen.

Aber erst mal die Eckdaten:
1. Ankunft in Lima, treffe Ricardo und Rina
2. Schwierige Fahrt nach Cuzco, treffe Miguel und Eduardito, wir besuchen Machu Picchu, Miguel berichtet drei mal: Erstens, Zweitens & auch Bilder
3. Rafting in Arequipa, Miguel berichtet
4. Condor-Besuch im Colca Cañon, Miguel berichtet
5. Weiterfahrt nach Cochabamba

Ich möchte einfach kurz von unserer Fahrt von Ollontaytambo nach Cuzco erzählen. Weil meine Kollegen flojo, das heißt entspannt / faul das Taxi nehmen wollten, musste ich ziemlich darauf drängen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nehmen. Diese nehmen zwar nicht den direkten Weg, brauchen länger und bieten weniger Komfort, erschließen dem Reisenden aber ein Mehr an Kultur und Gesellschaft, das der ambitionierten Reisenden nicht einzutauschen bereit ist.
Auf dem Weg zur Zwischenstation Urubamba lernte ich eine Bauarbeiter kennen, der 20 Tage in einer anderen Stadt nördlich im Bau arbeitet und dann acht Tage mit seiner Familie in Ollantaytambo verbringt. Meine Mitreisenden schliefen. In Urubamba half uns mein neuer Bekannter, den richtigen Bus nach Cuzco zu finden, wobei wir aufgrund fehlendes Geldes kein Busticket kaufen konnten. Der neue Bekannte wusste die richtigen Worte zu finden und wir fanden trotzdem unseren Weg in den Bus. Meine Mitreisenden rätselten, wie wir das Ticket während der Busfahrt bezahlen würden, ließen mich aber dezent gewähren, da ich mich ja gegen die Taxi-Variante entschieden hatte.
Im Bus nach Cuzco lernte ich dann einen Grundschullehrer aus Calca kennen, mit dem ich mich über Reisen, Schule, Politik und mehr unterhielt. Zum Schluss verriet er mir, dass er Lokalpolitiker sei und die letzte Wahl knapp verloren hätte, weil der Gewinner Wähler bestochen hatte. Meine Mitreisenden bewunderten die Landschaft. Auf meine Frage, warum mein neuer Freund niemanden bestochen habe, antwortete er, dass ihm das Geld dafür fehle. Tatsächlich erkannten ihn in Cuzco einige Leute auf der Straße. Er konnte mir auch zehn Dollar eintauschen, so dass ich nicht den schlechten Umrechnungskurs des Busfahrers in Kauf nehmen musste, um unsere Busfahrt zu bezahlen.
Wer Taxi fährt, kommt an; wer Bus fährt, erlebt was.


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Zweiter Bolivianisch-Deutscher Abend
Tue, 02 Mar 2010 18:37


Kürzlich habe ich berichtet, dass ich meine Nachbarn bei einem gemeinsamen Frikadellenessen kennengelernt habe. Weil wir alle ziemlich viel Spaß bei der Aktion hatten, war eine Neuauflage dieser Aktion Pflicht. Letzten Samstagabend haben wir uns deshalb noch mal zum Essen getroffen, wobei wir diesmal ein Gericht aus Cochabamba kochen wollten, nämlich Pike. Die Nachbarskinder selbst hatten vorher schon geplant, wer was einkauft - ich war für das Fleisch zuständig, andere für Ketchup, Tomaten, Reis oder Zwiebeln.
Als ich 19 Uhr, eine Stunde verspätet, den Innenhof meiner Nachbarn betrat, hatten die Kinder bereits Tische und Stühle gestellt und warteten auf mich: "CHRISTOPH!". Es ist schwer zu beschreiben, wie gut es tut, wenn ungefähr zehn Kinder auf einen zurennen, um an einem hochzuspringen, an einem Stück Christoph zu zupfen oder um etwas ganz Dringendes zuzuschreien.
Der Pike-Abend wurde schön, eine Familie schnitt Zwiebeln und Tomaten, ich nutze zwischendurch meine Küche für das Frittenbrutzen, eine andere Familie briet das Fleisch durch. Es dauerte lange, aber keinem wurde langweilig. Eine Stunde kochen und ein Dankgebet später, aßen wir uns auch schon satt und sagten uns tausend mal, wie lecker alles sei. Danach gab es refresco canela, heißes Wasser mit Zimtstücken und Zucker, und wir wuschen ab.
Es ist schwer zu beschreiben, wie schön es tun kann, wenn einen Kinder mit Zuneigung und Erwachsene mit Gastfreundschaft beschenken. Und genauso schwer fällt es, die schweren Seiten zu beschreiben, die mich nachdenklich machen. Die alleinerziehene Mutter lebt mit drei Kinder (ein, fünf und zehn Jahre alt) in einem 15 qm-Zimmer ohne fließendes Wasser - und freut sich mich als Gast zu haben, ihre Kinder zeigen mir ihre kleinen Fotoboxen. Der Vater einer Familie von vier Kindern (zwei, acht, neun und zwölf Jahre) verrät mir angetrunken, dass er seine Kinder aus Liebe und um ihnen Respekt zu lehren, auch schlägt - und betont mehrmals, wie dankbar er mir ist, weil ich etwas mit seinen Kindern unternehme. Gutes und Schlechtes liegen hier nah beieinander, und ich "gehe als halber Mensch wieder nach Hause" (Jochen), weil diese Welt mir so fremd ist, und die Kinder mir so wichtig sind.


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Ab in die Freiheit oder Ab in den Entzug
Sun, 21 Feb 2010 01:09


Heute morgen habe ich mich mit meinem Projektleiter und einem Sozialarbeiter am Bahnhof getroffen. Da wir eigentlich eine Gitarre kaufen wollten, ich aber sowieso öfter nicht mitbekomme, was genau um mich herum geschieht, folgte ich den beiden einfach in die Bahnhofshalle. Wir überredeten eine Wachperson, in den Abfahrbereich gehen zu dürfen, und standen auf ein mal an einem Bus nach Oruro. Unser Sozialarbeiter bestieg den Bus und bat einen Fahrgast auszusteigen.
Er kam heraus, und während dem folgenden Gespräch zwischen meinen Kollegen und dem Fahrgast, den ich der Einfachheit halber "Marco" nenne, wurde mir klar, dass Marco ein Straßenjunge der "schwierigen" Kolonie San Sebastian ist, der sich entschieden hatte, Straße und Stadt zu verlassen, um weit draußen auf dem Land eine Rehabilitation zu versuchen. Das Gespräch war kurz und knackig, es gab motivierende und ermahnende Worte, und wir wünschten Marco, der sich mehrmals bedankte, alles Gute. Marco bestieg den Bus, wir klärten das Nötige für die Aufnahme im Rehabilitationszentrum und verließen den Bahnhof.
Meine Kollegen waren glücklich - ein Jahr lang immer wieder bohrender Gespräche zwischen dem Sozialarbeiter und Marco hatte es gebraucht, bis er sich entscheiden konnte, die Straße zu verlassen. ... und laut meinem Projektleiter stehen die Chancen bei 50%, das er sich rehabilitieren lässt. Auf geht's, ab in die Freiheit!


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Estefanie, Lupe, Lis, Helen, Leonardo, Ruben, Julia ...
Thu, 18 Feb 2010 15:54


Habe heute meine Nachbarn beim deutsch-bolivianischen Essen näher kennengelernt. Es gibt mal wieder keine Bilder, da ich noch keine Kamera habe, weshalb ich die Szenerie beschreibe:
Es ist 20 Uhr, ich sitze mitten in einem Hof an einem Tisch, den wir - genau wie die Stühle drumherum - kurzfristig hier aufgebaut haben. Auf den Stühlen sitzen lauter Kinder und zwischen den Stühlen stehen noch mehr, es sind ein gutes Dutzend und sie heißen Estefanie, Lupe, Lis, Helen und Leonardo. Wir essen Reis, den Julia serviert, und Frikadellen, die ich zuhause vorbereitet und mitgebracht habe. Für beides gibt es Komplimente. Ich werde nach meiner Familie ausgefragt, nachdem ein Kind das Familienfoto in meinem Tagebuch entdeckt hat, und muss jedes meiner Geschwister und meine Eltern mit Namen vorstellen und Alter (die Älteste am Tisch ist 14, so alt wie meine jüngste Schwester). Ich frage die Kinder nach ihren Familien, es gibt wohl sechs davon in diesem Hof; die Kinder zählen 16 Frauen und 11 Männer auf, alle wohnen hier auf recht engem Raum. Wir spielen noch eine halbe Stunde auf der Straße, erst Völkerball, dann Volleyball. Irgendwann reise ich mich los, weil ich müde bin. Die Kinder sind nicht müde zu kriegen und gehen nur wiederwillig in ihre Häuser.


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Durch die Bergoase zum Tunari
Wed, 17 Feb 2010 01:20


Morgendlicher Blick ins Tal, <br>fotografiert von Bastian
Morgendlicher Blick ins Tal,
fotografiert von Bastian
Dirk
Dirk
Blumen, <br>fotografiert von Dirk
Blumen,
fotografiert von Dirk
Aufstieg, <br>fotografiert von Basti
Aufstieg,
fotografiert von Basti
Oben, <br>fotografiert von Dirk
Oben,
fotografiert von Dirk
Lagerfeuer,<br>fotografiert von Bastian
Lagerfeuer,
fotografiert von Bastian

Da in Bolivien Montag und Dienstag aufgrund von Karneval Feiertage sind, wollte ich unbedingt ein bißchen in den Bergen wandern, die sich um Cochabamba herum befinden. Mit zwei neuen Freunden (Bastian, der den Online Guide über Bolivien gegründet hat, und Dirk) starteten wir am Fuß des Tunari auf 3.300m, um eine Route von einer Lagune über den Gipfel zu der Refugio Tunari Mountain Lodge, die Bastian zur Zeit aufbaut, zu finden. Die Tour war unglaublich schön!
Die ersten Höhenmeter bis zu einer Lagune in Höhe von 4.000m führten über einen Weg, so dass das Wandern relativ einfach war. Danach wurde es allerdings felsiger und rauher, wobei unseren Weg auch in dieser Höhe noch Lamas, Schafe und Kühe kreuzten; Adler und Falken sahen wir auch, nur die Murmeltiere versteckten sich zu gut (falls es dort welche gibt). Später besuchten uns auch noch Hirtenkinder in unserem Nachtlager und freuten sich über Lindt-Schokolade.
Unglaublich war die Natur oberhalb einer zweiten Lagune. Da sich in dem Bereich des Berges überall Quellen befinden, leuchtet die Gegend dort schon fast und Grün und Blau stehen in einem unglaublich schönen Gegensatz zu dem felsigen, schroff aufragenden Gestein des Tunari. Unser Zelt schlugen wird in 4.200m Höhe auf und unternahmen dann ohne Rucksack einen Ausflug auf ein 4.600m hohes Plateu, von dem aus man den Tunari-Gipfel besteigen kann. Lediglich fehlte die Zeit, das durchzuziehen. Umso schöner war, dass wir von hier aus Condore beobachten konnten, die seelenruhig an uns vorbeischwebten.
Am nächsten Morgen suchten wir die Route zu der neuen Lodge, was ziemlich aufreibend war, weil die Südseite des Berges sehr steil ist. Direkt nach dem Aufbruch kamen wir allerdings erstmal in das schönste Tal, das ist je gesehen habe, und das für mich im Nachhinein der absolute Höhepunkt der Wanderung war. Saftiges Grün, überall wilde Bäche, kleine Wasserfälle - wir hatten eine Oase gefunden. Rechts davon die steilen Wände des Tunari, links der steile Abhang ins Tal. Dafür lohnten sich dann auch die Strapazen des Abgangs durch steile Abhänge und später hügelige Landschaften bis auf 2.800m. Wir fanden einen Durchgang zur Lodge, der dann noch anderen Wanderern jede Menge Luft kosten wird. Wir waren auf jeden Fall alle fix und fertig. Und ich war froh, dass meine beiden Begleiter immer mal wieder Fotos machten und ich dann aufholen konnten.
Geile Reise - danke, Bastian!


stored in category 'Travelling'Comment(s) by Robert
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Avenida America & Parque Santa Cruz
Thu, 11 Feb 2010 19:32


Geburtstag mit Torte und Flamme<br>fotografiert von Annette
Geburtstag mit Torte und Flamme
fotografiert von Annette

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich jetzt vor allem schreibe, damit an dieser Stelle nicht mehr mein Diarrea-Eintrag steht. Die Einwandererkrankheit habe ich gut überstanden und esse wieder fleißig alles, was die Küche bietet, außer dass ich etwas genauer darauf achte, wo ich die Essen einkaufe.
Eigentlich müsste ich nämlich noch warten mit einem Eintrag, da mir noch die genauen Worte fehlen meine aktuelle Arbeit zu beschreiben. Ich versuche es einfach mal, indem ich den gestrigen Vormittag und heutigen Nachmittag protokolliere.

Gestern Vormittag um 9 Uhr habe ich mich wie jeden Morgen mit Kollegen im Haupthaus meiner Organisation getroffen. Gemeinsam sind wir drei kleine Theaterstück durchgegangen, mit denen wir den Jugendlichen der Avenida America die Bedeutung der Menschenrechte näherbringen wollten, die wir zur Zeit einen Monat lang bei allen Straßenkindergruppen durchnehmen. Normalerweise haben wir einen Pick-Up, so dass die Straßenkinder hinten auf der Ladefläche mitfahren können, wenn wir sie von ihren Schlafplätzen und Arbeitsplätzen (Jonglage oder Scheibenwischen an Verkehrsknoten) abholen. Da wir keinen Pick-Up hatten, quetschten wir sechs Mitarbeiter uns in ein Taxi und fuhren die wichtigen Stellen ab. Beim Schlafplatz angekommen, setzte ein heftiger Regen ein, so dass wir uns zu den erwachenden Jugendlichen in den Kanal, also ihre Betten, stellen mussten. Nach kurzer Zeit begann Regenwasser durch den Kanal zu fließen und die Jugendlichen brachten ihre Sachen in Löchern im Kanal ins Trockene. Das Leben auf der Straße ist nicht gemütlich.
Für mich hatte die Situation einen anderen bitteren Beigeschmack. Meine Sprachlehrerin wohnt in der Nähe der Jugendlichen und hatte mir schon vorher von den Cleferos (Klebstoffschnüfflern) erzählt. Sie erzählte mir von den Problemen, die dadurch der Nachbarschaft entstanden sind (ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit), und dass die Nachbarn tatsächlich den Kanal geflutet hattet, um die Straßenkinder loszuwerden. Dass dabei Leben riskiert wurden, ist selbstverständlich, und dass die Straßenkinder dort immer noch leben zeigt die Machtlosigkeit der Nachbarn. Vor allem zeigt mir die Aktion, wie kurzsichtig Menschen handeln, da durch solche Aktionen kein Mensch die Straße verlässt und nur die lokale Befindlichkeit gepflegt wird. Musste an Hamburgs Versuch denken, durch klassische Musik in den U-Bahnhöfen Obdachlose zu vertreiben. Das entspricht ungefähr dem selben Niveau an Flurbereinigung - nach dem Motto "vor meiner Tür ist es sauber."
Um uns vor dem Regen zu schützen, gingen wir zu einem überdachten kleinen Fußballplatz (cancha) in der Nähe. Da der Regen gegen das Dach donnerte und wir nicht reden konnten, spielten wir einfach einige Runden Volleyball. Danach begann die kleine, interaktive Menschenrechtsschule: Das erste Theaterstück stellte eine Abtreibung dar, das zweite eine Hinrichtung, das dritte einen Mord aus Affekt. Es folgten Gespräche über verschiedene Rechte und spannenderweise auch darüber, dass die Jugendliche sich mit ihrer Klebstoffsucht um ihr derecho de vida (Recht auf Leben) bringen.

Heute Nachmittag haben wir in einem kleinen Vergnügungspark den Geburtstag eines Ex-Straßenkindes von San Sebastian gefeiert, der 24 Jahre geworden wurde, und das ich jetzt der Einfachheit halber "Carlos" nenne. Letzte Woche hatten wir Carlos Freundin besucht, mit der er seit eineinhalb Jahren in einem klitzekleinen Zimmer in einem kriminellen Stadtteil wohnt, in das ich als "Weißer" alleine nicht darf. Da die beiden keine offiziellen Dokumente haben, kam die Rede auch auf den Geburtstag, und wir beschlossen, am 10. Februar Carlos Geburtstag zu feiern.
Als ich Carlos heute persönlich traf, erklärte er mir, dass sich seine Gelenke in den letzten Jahren vom Klebstoffkonsum erholt hatten und wieder gesund sind, erzählte von seinem kleinen, fensterlosen Zimmer, in dem ich letzte Woche gewesen war, und dass er froh ist, dass er meinen Projektleiter Oscar kennengelernt hat. Nichts beschönigte er, und sehr offen sprach er mit mir, und für mich war unglaublich, dass dieser Mann ein mal wie meine Jungs von gestern Vormittag in der Straßen gelebt hatte. Die Spuren eines anstrengenden Lebens, das viel mehr als die ausgezählten vierundzwanzig Jahre vorwies, waren geblieben.
Später sangen wir für Carlos Cumpleaños Feliz und Viel Glück und viel Segen, schnitten eine Torte an und jeder in der Runde der Gäste erzählte, was er an Carlos schätzt und was er ihm wünscht. Seiner Freundin kamen die Tränen und Carlos meinte zum Schluss, dass dies sein schönster Geburtstag gewesen sei.


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Gute Besserung
Tue, 09 Feb 2010 21:55


Nur kurz der Hinweis, dass ich meine Arbeit begonnen habe. Da mir noch die richtigen Worte fehlen, aeussere ich mich spaeter dazu.
Wichtig ist vielleicht nur der Hinweis, dass es mir sehr gut geht und die diarrea-Zeit auch vorbei ist.


stored in category 'About the Weather'Comment(s) by Birgit
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Diarrea & der bequeme Genetiv
Tue, 26 Jan 2010 23:00


Gegen Diarrea
Gegen Diarrea
Schuld ist mal wieder der Baum
Schuld ist mal wieder der Baum
Maizena de dieta blanca
Maizena de dieta blanca

Endlich mal ein Foto aus Bolivien!
Wie jeder Einwanderer hatte auch ich jetzt mal Durchfall (diarrea), kombiniert mit einer Grippe, eingefangen wahrscheinlich aufgrund Unachtsamkeiten im Umgang mit schöner Sonne und leckeren Früchten (der schuldige Feigenbaum hat sich auch in die Bilderreihe oben reingeschummelt).
Entsprechend bin ich jetzt auf der dieta blanca, die es mir erlaubt, Maisbrei mit Zimt (maizena de canela) und fettfreie Hühnersuppe (pollo de sopa sin grasa) zu essen.* Dass Mutters gute Ratschläge und Schulmedizin auch im fernen Bolivien auseinanderklaffen, musste ich erfahren, als meine Apothekerin mich entrüstet vor Kamillen- und Anistee warnte, weil die den Magen anregen. Tags zuvor hatte ich natürlich wie ein Weltmeister Tee getrunken, damit Magen und Kopf wieder klar kommen - was mir wohl alle Mütter dieser Welt auch empfohlen hätten. Die Schulmedizin scheint sich zu weigern, diesen Tatsachenbestand wahrzunehmen.
Übrigens, es geht mir heute, nach 3 Tagen, schon viel, viel besser.

Aus der Rubrik Schönes Spanisch: Nach zwei positiven Beiträgen etwas Kritik, das muss unter Freunden (und Spanisch und ich werden immer dicker) möglich sein: Was hier fehlt ist der bequeme Genetiv: Möchte man im Deutschen von der Suppe der Oma schwärmen, kann man bequem von "Omas Suppe" sprechen. Ist es eine Suppe mit Yuka, erweitert man - ebenfalls bequem (!) - auf "Omas Yukasuppe", und das, obwohl in Deutschland kein Yuka wächst. Der bequeme Genetiv besitzt also zwei Verhaltensweisen:
- Erstens, durch Anhängen eines "s" und Schaffen eines neuen Wortes können "Oma" und "Suppe" zu "Omas Suppe" verbunden werden, der sogenannte bequeme, spaciale Genetiv
- Zweitens, durch direktes Wortverknüpfen können "Yuka" und "Suppe" zu "Yukasuppe" verbunden werden, das ist der bequeme, nonspaciale Genetiv

Das ist im Spanisch leider noch (?!) nicht möglich. Hier muss man erstmal von der "sopa de abuela" sprechen. Um auf Yuka auszuweiten, muss man den Begriff stark erweitern, und zwar auf "sopa de yuka de abuela". Mein Gegenvorschlag für die Spanischkommussion lautet deshalb: "abuelas yukasopa". Klingt etwas deutsch, aber gut und eingänglich und kürzt einfach unheimlich ab.

Gegenvorschläge? Vielleicht sollte ich diesen Vorschlag auf Spanisch posten!


stored in category 'Travelling'Comment(s) by Robert, Stephan, Kerstin
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Evo beginnt seine Präsidentschaft
Thu, 21 Jan 2010 20:18


Aktuell aus Bolivien: Evo Morales wurde im vergangenen Dezember in seiner Präsidentschaft bis 2015 mit großer Mehrheit bestätigt. Auch wenn es Kritik gibt, dass Stimmen gekauft wurden und die Wahl nicht ganz sauber ablief, habe ich aus Gesprächen herausgehört, dass Evo sowohl gute als auch schlechte politische Aktionen zugeschrieben werden, im Großen und Ganzen aber eine mehrheitliche Unterstützung in der Bevölkerung hat.
Als besonders wertvoll sehen auch seine Gegner an, dass Evo es geschafft hat, den indigenes mehr Selbstbewusstsein zu verschaffen. Weitere Pluspunkte sind die geringere Korruption und die Verstaatlichung des Rohstoffabbau. Als negativ sehen auch seine Unterstützer die andauernde Vetternwirtschaft, die Korruption und die Unterstützung des narcotiktráfico (Drogenhandel) an.
Für mich ist der Personenkult um Evo ein bißchen überraschend. Heute ließ er sich im Gedenken an die indigenen Wurzeln Boliviens in der alten Inkastätte Tiahuanacu zum geistlichen Führer der Bolivianer ausrufen. Gleichzeitig hat der Oberste Gerichtshof für morgen einen landesweiten Feiertag einberufen, um die neue Verfassung eines pluralnationalen Staates zu feiern.


stored in category 'Travelling'Comment(s) by Christoph
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Gut im Projekt angekommen
Tue, 19 Jan 2010 20:15


Am Montag hab ich am ersten Treffen nach den großen Ferien aller Mitarbeiter von Estrellas en la Calle teilgenommen. Ich selbst beginne zwar erst im Februar mit Arbeiten (bis dahin ist Spanisch-Büffeln angesagt), wollte aber unbedingt an diesem Treffen teilnehmen, um schon mal das ganze Team kennenzulernen. Und es hat sich gelohnt. Zum einen ist die Gruppe von Sozialpädagogen, Psychologen und Volontären gut durchmischt, gut aufgestellt und sehr sympathisch. Und zum zweiten konnte ich in kurzen Gesprächen feststellen, warum ich dieses Jahr "Urlaub vom Leben" mache und hier in Bolivien in der Straßenkinderarbeit voll reinhaue. Auszüge aus zwei Gesprächen:

Erstens: Im Haus "Colyera" können Straßenkinder tagsüber spielen und lernen; Auf meine Angebote mich einzubringen, reagierte der Projektleiter Oscar meist begeistert:
¿Cursos de guitarra? - Sí, ¡claro!
¿Cursos de matematica? - Sí, ¡les gustan matematica!

Da es auch einen Computer gibt, habe ich angeboten, Computerkurse zu geben. Aber hier antwortete er nur beiläufig: "Computerkurse können wir nicht machen. Die Kindern können nicht lesen."
Straßenkinder sind Analphabeten.

Zweitens: Nach der Vormittagsschicht habe ich mit den Volontären Kata und Niko in einem gehobenen Plastikstuhllokal Mittag gegessen. Dabei haben die beiden mir einiges erzählt, u.a. wie die Straßenkinder hier organisiert sind, wo sie schlafen, wie sie leben, was für Drogen sie nehmen, welchen Hintergrund die meisten Kinder haben, welchen Alters sie sind. Dazu schreibe ich noch, wenn ich die Kinder selber kennengelernt habe. Wichtig war für mich einfach nur im Laufe des Gesprächs immer mehr zu merken, dass genau dies hier mein Ort ist und konkret festzustellen, weshalb ich dieses Jahr mit Straßenkindern verbringen werde und nicht als IT-Berater arbeite. In meiner Hausaufgabe zur Übung der verbos especiales spiegelt sich das wieder: "Me emocionan las historias sobre los chicos que viven en la calle." (- Mich berühren die Geschichten der Straßenkinder).


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  Christoph Hanser · chanser@web.de
 

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