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Wer Taxi fährt, kommt an
Sun, 07 Mar 2010 21:30


Bisher hatte ich mich über meine Urlaubsreise von Lima nach Cochabamba Anfang des Jahres ausgeschwiegen, weil die Eindrücke hier viel stärker sind und ich deshalb erst mal darüber berichtet habe. Da Miguel mich aber indirekt gebeten hat, mich "zu überwinden und eine Anekdote zu posten", will ich mich nicht lumpen lassen.

Aber erst mal die Eckdaten:
1. Ankunft in Lima, treffe Ricardo und Rina
2. Schwierige Fahrt nach Cuzco, treffe Miguel und Eduardito, wir besuchen Machu Picchu, Miguel berichtet drei mal: Erstens, Zweitens & auch Bilder
3. Rafting in Arequipa, Miguel berichtet
4. Condor-Besuch im Colca Cañon, Miguel berichtet
5. Weiterfahrt nach Cochabamba

Ich möchte einfach kurz von unserer Fahrt von Ollontaytambo nach Cuzco erzählen. Weil meine Kollegen flojo, das heißt entspannt / faul das Taxi nehmen wollten, musste ich ziemlich darauf drängen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nehmen. Diese nehmen zwar nicht den direkten Weg, brauchen länger und bieten weniger Komfort, erschließen dem Reisenden aber ein Mehr an Kultur und Gesellschaft, das der ambitionierten Reisenden nicht einzutauschen bereit ist.
Auf dem Weg zur Zwischenstation Urubamba lernte ich eine Bauarbeiter kennen, der 20 Tage in einer anderen Stadt nördlich im Bau arbeitet und dann acht Tage mit seiner Familie in Ollantaytambo verbringt. Meine Mitreisenden schliefen. In Urubamba half uns mein neuer Bekannter, den richtigen Bus nach Cuzco zu finden, wobei wir aufgrund fehlendes Geldes kein Busticket kaufen konnten. Der neue Bekannte wusste die richtigen Worte zu finden und wir fanden trotzdem unseren Weg in den Bus. Meine Mitreisenden rätselten, wie wir das Ticket während der Busfahrt bezahlen würden, ließen mich aber dezent gewähren, da ich mich ja gegen die Taxi-Variante entschieden hatte.
Im Bus nach Cuzco lernte ich dann einen Grundschullehrer aus Calca kennen, mit dem ich mich über Reisen, Schule, Politik und mehr unterhielt. Zum Schluss verriet er mir, dass er Lokalpolitiker sei und die letzte Wahl knapp verloren hätte, weil der Gewinner Wähler bestochen hatte. Meine Mitreisenden bewunderten die Landschaft. Auf meine Frage, warum mein neuer Freund niemanden bestochen habe, antwortete er, dass ihm das Geld dafür fehle. Tatsächlich erkannten ihn in Cuzco einige Leute auf der Straße. Er konnte mir auch zehn Dollar eintauschen, so dass ich nicht den schlechten Umrechnungskurs des Busfahrers in Kauf nehmen musste, um unsere Busfahrt zu bezahlen.
Wer Taxi fährt, kommt an; wer Bus fährt, erlebt was.


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