Im Fokus: Zweiter Bolivianisch-Deutscher Abend (go back)
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Zweiter Bolivianisch-Deutscher Abend
Tue, 02 Mar 2010 18:37


Kürzlich habe ich berichtet, dass ich meine Nachbarn bei einem gemeinsamen Frikadellenessen kennengelernt habe. Weil wir alle ziemlich viel Spaß bei der Aktion hatten, war eine Neuauflage dieser Aktion Pflicht. Letzten Samstagabend haben wir uns deshalb noch mal zum Essen getroffen, wobei wir diesmal ein Gericht aus Cochabamba kochen wollten, nämlich Pike. Die Nachbarskinder selbst hatten vorher schon geplant, wer was einkauft - ich war für das Fleisch zuständig, andere für Ketchup, Tomaten, Reis oder Zwiebeln.
Als ich 19 Uhr, eine Stunde verspätet, den Innenhof meiner Nachbarn betrat, hatten die Kinder bereits Tische und Stühle gestellt und warteten auf mich: "CHRISTOPH!". Es ist schwer zu beschreiben, wie gut es tut, wenn ungefähr zehn Kinder auf einen zurennen, um an einem hochzuspringen, an einem Stück Christoph zu zupfen oder um etwas ganz Dringendes zuzuschreien.
Der Pike-Abend wurde schön, eine Familie schnitt Zwiebeln und Tomaten, ich nutze zwischendurch meine Küche für das Frittenbrutzen, eine andere Familie briet das Fleisch durch. Es dauerte lange, aber keinem wurde langweilig. Eine Stunde kochen und ein Dankgebet später, aßen wir uns auch schon satt und sagten uns tausend mal, wie lecker alles sei. Danach gab es refresco canela, heißes Wasser mit Zimtstücken und Zucker, und wir wuschen ab.
Es ist schwer zu beschreiben, wie schön es tun kann, wenn einen Kinder mit Zuneigung und Erwachsene mit Gastfreundschaft beschenken. Und genauso schwer fällt es, die schweren Seiten zu beschreiben, die mich nachdenklich machen. Die alleinerziehene Mutter lebt mit drei Kinder (ein, fünf und zehn Jahre alt) in einem 15 qm-Zimmer ohne fließendes Wasser - und freut sich mich als Gast zu haben, ihre Kinder zeigen mir ihre kleinen Fotoboxen. Der Vater einer Familie von vier Kindern (zwei, acht, neun und zwölf Jahre) verrät mir angetrunken, dass er seine Kinder aus Liebe und um ihnen Respekt zu lehren, auch schlägt - und betont mehrmals, wie dankbar er mir ist, weil ich etwas mit seinen Kindern unternehme. Gutes und Schlechtes liegen hier nah beieinander, und ich "gehe als halber Mensch wieder nach Hause" (Jochen), weil diese Welt mir so fremd ist, und die Kinder mir so wichtig sind.


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