Ab in die Freiheit oder Ab in den Entzug
Sun, 21 Feb 2010 01:09
Heute morgen habe ich mich mit meinem Projektleiter und einem Sozialarbeiter am Bahnhof getroffen. Da wir eigentlich eine Gitarre kaufen wollten, ich aber sowieso öfter nicht mitbekomme, was genau um mich herum geschieht, folgte ich den beiden einfach in die Bahnhofshalle. Wir überredeten eine Wachperson, in den Abfahrbereich gehen zu dürfen, und standen auf ein mal an einem Bus nach Oruro. Unser Sozialarbeiter bestieg den Bus und bat einen Fahrgast auszusteigen.
Er kam heraus, und während dem folgenden Gespräch zwischen meinen Kollegen und dem Fahrgast, den ich der Einfachheit halber "Marco" nenne, wurde mir klar, dass Marco ein Straßenjunge der "schwierigen" Kolonie San Sebastian ist, der sich entschieden hatte, Straße und Stadt zu verlassen, um weit draußen auf dem Land eine Rehabilitation zu versuchen. Das Gespräch war kurz und knackig, es gab motivierende und ermahnende Worte, und wir wünschten Marco, der sich mehrmals bedankte, alles Gute. Marco bestieg den Bus, wir klärten das Nötige für die Aufnahme im Rehabilitationszentrum und verließen den Bahnhof.
Meine Kollegen waren glücklich - ein Jahr lang immer wieder bohrender Gespräche zwischen dem Sozialarbeiter und Marco hatte es gebraucht, bis er sich entscheiden konnte, die Straße zu verlassen. ... und laut meinem Projektleiter stehen die Chancen bei 50%, das er sich rehabilitieren lässt. Auf geht's, ab in die Freiheit!
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